Politik

Parteienforscher: AfD-Chaos könnte der FDP nutzen

GDN - Nach Einschätzung von Parteienforschern könnte das gegenwärtige Chaos bei der Alternative für Deutschland (AfD) der FDP Wähler zutreiben. "Von der Dauerkrise der AfD profitiert vor allem die FDP, weil die AfD von bürgerlichen, wirtschaftsliberalen Wählern immer weniger als Alternative angesehen wird", sagte der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer dem "Handelsblatt".
Auch der Bremer Parteienforscher Lothar Probst "würde eher auf FDP tippen", wie er dem "Handelsblatt" sagte. "Die Union, gefangen in einer Großen Koalition, dürfte für wirtschaftsliberale AfD-Wähler eher unattraktiv sein." Probst schätzt zudem, dass die FDP-Führung um Parteichef Christian Lindner abtrünnigen AfD-Wählern und –Mitgliedern entgegenkommen werde. "Die Chance wird sich Lindner nicht nehmen lassen." Niedermayer hält nach der Absage des für Juni geplanten Delegierten-Parteitags eine weitere Destabilisierung der AfD für wahrscheinlich, wenn es dem Vorstand nicht bald gelinge, den Mitgliedern einen tragfähigen personellen und inhaltlichen Kompromissvorschlag zu machen. "Dazu stehen die Chancen aber nicht gerade gut." Noch deutlicher fällt die Prognose des Hallenser Politologen Everhard Holtmann aus. "In jedem Fall wird sich der derzeitige Zustand parteiinterner Zerrissenheit und des ungeklärten Führungsstreits weiter verlängern", sagte Holtmann dem "Handelsblatt". Die negativen öffentlichen Auswirkungen zeigten sich bereits jetzt: Im letzten ARD-"Deutschlandtrend" sei die AfD auf bundesweit fünf Prozent zurückgefallen.
Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von GDN können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.