Finanzen

Europa und Briten steuern auf Zoll-Chaos zu

Zoll
(Quelle: über dts Nachrichtenagentur)
GDN - Zehn Wochen vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens warnen Fachleute vor akuten Engpässen in der europäischen Zollabfertigung, falls dieser, wie befürchtet, ungeordnet erfolgt. Es fehle an fachlich versiertem Personal, die Regierungen der EU-Staaten hätten zu spät mit den Vorbereitungen begonnen, kritisierten zahlreiche Zollfachleute in der FAZ (Montagsausgabe).
Auch Deutschland mache sich erst jetzt daran, seine Zollverwaltung für den drohenden Brexit-Härtetest aufzurüsten. Die drohende Überlastung in der Zollabfertigung könnte zu schweren Störungen im britisch-europäischen Warenhandel führen und großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Zwischen dem Vereinigten Königreich und den EU-Staaten werden jährlich Waren im Wert von fast einer halben Billion Euro gehandelt. Die Behörden in Europa hätten im Falle eines "harten" Brexits viel zu wenig Personal, befürchtet der Zollfachmann Leon Kanters, Partner der Unternehmensberatung KPMG im niederländischen Eindhofen. Sein Land habe vor einem Jahr als erster EU-Staat beschlossen, das Zollpersonal aufzustocken, "aber auch die Niederlande werden nicht vorbereitet sein". Voraussichtlich seien nur ein Viertel der vorgesehenen knapp 1.000 zusätzlichen Mitarbeiter zum Brexit-Termin am 29. März einsatzbereit. Auch Fachleute in Deutschland sind alarmiert: "Ein harter Brexit im März würde mit Sicherheit zu Chaos an den Grenzen führen. Die Kapazitäten in der Zollabfertigung sind einfach nicht ausgelegt auf diese zusätzliche Belastung", gibt Günther Dürndorfer, Geschäftsführer der Dürndorfer Zollberatung in Hebertshausen bei München, zu bedenken. Er hat in seiner Berufspraxis Unternehmen vom Mittelstand bis hin zu DAX-Konzernen beraten und selbst im Zolldienst gearbeitet. Ein Hauptproblem sei der Mangel an Fachpersonal. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) ist ebenfalls besorgt: "Bei der Zollabfertigung durch die Behörden käme es nach einem harten Brexit zu Engpässen", sagte DSLV-Geschäftsführer Niels Beuck.
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